Zum Abschied von Dirk Mehlberg: Glück in der Nische

10. August 2018

Nach zehn Jahren Bundesliga-Volleyball beim TV Rottenburg beendet Dirk Mehlberg seine Karriere im Leistungssport. Ein Blick zurück.

Vor zwei Jahren war es schon einmal so weit. Am letzten Spieltag der Bundesligasaison verabschiedete der TVR einen verdienten Spieler in den Volleyball-Ruhestand. Libero Willy Belizer trat von der Bühne ab. Der Abend hätte nicht schöner sein können: Klassenerhalt gesichert, mit einer Choreografie im Tollhaus empfangen, vom Team hochleben lassen: „Belizer die Legende!“

In diesem Sommer ist es Dirk Mehlberg, der seinen Abschied vom Leistungssport verkündet hat und ebenfalls in die Geschichtsbücher des Vereins eingehen wird. Mehlberg und Belizer – zusammen mit Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger waren sie über Jahre hinweg die Identifikationsfiguren für den Volleyballstandort Rottenburg, Gesichter einer Mannschaft, die seit Jahren das kleine gallische Dorf in Volleyball-Deutschland verkörpert.

Stolze zehn Jahre trug „Didi“ das TVR-Trikot. „Eine zentrale Person nach unserem Wiederaufstieg damals in die erste Liga“, sagt Müller-Angstenberger heute. „Als ich von Leipzig nach Rottenburg kam, war ich mir zuerst gar nicht so sicher, ob das so klappt, wie ich es mir vorstellte“, sagt Mehlberg. „Wir sind super in die Saison gestartet, haben Überraschungssiege gefeiert und uns früh eine gute Saison gesichert.“ Der gebürtige Rostocker spielte sich als talentierter Außenangreifer früh in die Herzen der Fans. Die Augen seines Trainers strahlen heute noch, wenn er von der Sprunggewaltigkeit und dem attraktiven Spiel des Spielers berichtet.

Auswärtsspiele hinter dem Ural, Siege gegen die Großen Teams der Liga – all das zählt Mehlberg als seine Highlights in dieser Zeit auf. Auffällig: Auch Belizer hatte damals beinahe identische Erinnerungen. Sie sind ein elementarer Teil Rottenburger Bundesligahistorie. Mehlberg ist bis heute sehr beliebt bei Fans und Sponsoren, gilt als Identifikationsfigur, der die Werte des Vereins vorlebt.

Gleichzeitig war sich Mehlberg nie zu schade, den Finger in die Wunde zu legen. Auch diese Eigenschaft benennt Müller-Angstenberger rückblickend: „Er hat immer wieder Reizpunkte gesetzt und damit Dinge zur Weiterentwicklung angeschoben.“ In der Saison 2016/17 war Mehlberg Kapitän der Mannschaft, mit dem Wechsel auf die Liberoposition zur Saison 2017/2018 durfte er das Amt nicht mehr ausüben.

Mittlerweile ist Mehlberg im Berufsleben angekommen und steht damit auch ein Stück weit für das Rottenburger Modell. Müller-Angstenberger: „Dirk hat hier sein Studium begonnen, beendet und den Übergang in den Berufsalltag gemeistert.“ Mehlberg selbst betont im Nachgang vor allem seine Dankbarkeit dafür, dass in der ganzen Zeit eine Akzeptanz an den Tag gelegt wurde, die ihm diesen Weg ermöglichte: „Der TVR bietet mit diesem Modell eine Nische, die den Standort ermöglicht und besonders macht. Ich würde mir wünschen, dass das so bleibt und dass sich das Umfeld weiterhin bewusst ist, welche Werte den TVR ausmachen.“

Die offizielle Verabschiedung Mehlbergs wird zusammen mit den anderen Spielern, die den TVR nach der letzten Saison verlassen haben, im Rahmen des ersten Heimspiels am 13. Oktober stattfinden – genau wie bei seinem Kumpel Willy Belizer gegen den VfB Friedrichshafen. Seine Trikotnummer 1 hat der TVR in diesem Jahr bewusst nicht direkt neu vergeben.